Der gut besuchte Vortrag von Prof. A. Zittermann brachte uns eine hochinteressante Zusammenstellung vieler Studien zu den breitgefächerten Auswirkungen eines Vitamin-D-Mangels.
In unserer Einladung hatten wir die RKI-Studie zur Häufigkeit des Vit.-D-Mangels in Deutschland mit ihrer hohen Prozentzahl zitiert. Wir waren deshalb auf unsere eigenen Untersuchungen im Rahmen der Fortbildungsveranstaltung gespannt. Das Ergebnis hat uns verblüfft und die Zahlen des RKI mehr als bestätigt.
Unter 60 untersuchten Kolleginnen und Kollegen sowie Mitarbeiterinnen waren nur 20 Probanden mit einem 25-Hydroxy-Vit.-D Spiegel über 30 ng/ml, der als ausreichend angesehen wird. Somit lagen zwei Drittel der Teilnehmer z.T. erheblich darunter (niedrigster Wert 6,0).
Prof. Zittermann wies darauf hin, dass ca. 90% des Vit.-D- Spiegels aus UVB-Sonnenlicht gewonnen werden, wobei in den Sommermonaten eine Sonnenexposition von 15 Min. täglich wohl ausreicht. Dieses allerdings nur in der Mittagszeit, denn sonst ist der UVB-Anteil zu schwach wegen tiefstehender Sonne.
Von ganz vielen -auch jungen- Menschen wird das nicht erreicht und in den Wintermonaten geht es schon klimabedingt nicht. Man schreibt deshalb die deutliche Süd-Nord-Zunahme vieler Krankheiten dem Vitamin-D-Mangel zu.
Ausreichende Vit-D-Zufuhr aus Speisen ist praktisch kaum zu schaffen, es sei denn, man ernährt sich von sehr viel fettem Fisch wie die Eskimos.
Die orale Supplementierung mit Vit.-D- spielt deshalb von Kindesbeinen an eine sehr wichtige Rolle und kann präventiv in viele Erkrankungsprozesse eingreifen, wie Prof. Zittermann anhand vieler Studien über z.B. Diabetes, KHK, Herzinsuffizienz, Carcinogenese, Infektneigung und natürlich Osteoporose vortrug.
Aber auch bei anderen unklaren Prozessen wie Morbus Alzheimer oder multipler Sklerose werden positive Effekte einer Vitamin D-Supplementierung diskutiert und untersucht.
Sicher scheint zu sein, dass man mit minimalem finanziellen Aufwand durch eine Vit.-D-Supplementierung deutliche Gesundheitseffekte für die Bevölkerung erzielen kann.
Prof. Zittermann empfiehlt deshalb den 25-Hydroxy-Vit-D-Spiegel präventiv zu untersuchen und dann ca. 4-6 Monate nach Beginn einer Supplementierung zu kontrollieren.
Bei Personen ohne Sonnenexposition wird eine Ganzjahrestherapie erforderlich sein. Prof. Zittermann bevorzugt dabei eher regelmäßige niedrigere Dosierungen, die von 1x täglich über wöchentlich bis max. 1x monatlich (z.B. Dekristol 20 000) reichen, wobei letztere am bequemsten erscheint, aber ein höheres Risiko des Vergessens beinhaltet.
In Studien war eine Hochdosistherapie mit 1x jährlich 300 000-500 000 IE Vitamin D paradoxerweise mit höheren Frakturrisiken verbunden und ist deshalb nicht zu empfehlen.
Sollten Sie gezielte Fragen zu Studien haben, können diese per Mail an Prof. Zittermann (azittermann@hdz-nrw.de) gerichtet werden.
Prof. Dr. Paul Cullen Dr. Andreas B. Heinze