Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC)
Seit Anfang der zweiten Maiwoche treten vor allem im Norden Deutschlands gehäuft Durchfallerkrankungen durch EHEC (Enterohämorrhagischen Escherichia coli) mit teilweise schwerer Verlaufsform, dem Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) auf. Dabei kann es zu blutigen Durchfällen, hämolytischer Anämie, Thrombozytopenie und Nierenversagen kommen.
Der verursachende EHEC-Stamm ist identifiziert: Laut dem Nationalen Referenzzentrum des Robert Koch Institutes (RKI) in Wernigerode handelt es sich um den EHEC Serotyp O 104, der Shigatoxin 2 positiv ist und negativ für das Intimin (eae). Der Stamm besitzt eine Breitspektrum-Betalactamase (ESBL) und ist resistent gegenüber Tetrazyklinen und Trimethoprim/Sulfamethoxazol. Dieser Stamm wurde mittlerweile auch auf spanischen Gurken aus 2 Betrieben nachgewiesen.
Klinische Symptomatik einer Infektion
Die Inkubationszeit beträgt 3-4 Tage. Infektionen können unerkannt und klinisch unauffällig verlaufen. Es kann aber auch zu wässrigen, unblutigen Durchfällen kommen mit Übelkeit, Erbrechen, selten Fieber. Bei 10-20% der Erkrankten entwickelt sich eine hämorrhagische Kolitis mit blutigem Stuhl. Bei 5-10% der symptomatischen EHEC-Infektionen kann es zu hämolytischen Anämien, Thrombozytopenie und Nierenversagen (HUS) kommen. In der Akutphase liegt hier die Letalität bei ca. 20%. Eine HUS-Erkrankung tritt meist innerhalb 1 Woche nach Beginn der Symptomatik auf. Das RKI empfiehlt, dass Patienten mit blutigen Durchfällen umgehend einen Arzt aufsuchen.
Therapie
Therapie kann nur symptomatisch erfolgen, eine antibiotische Therapie wird nicht empfohlen. Bei Vorliegen von HUS erfolgen forcierte Diurese, Hämo- oder Peritonealdialyse.
Prävention
Diagnostik
In unserem Labor wird zur Untersuchung auf EHEC nach kultureller Anreicherung der Nachweis von Shigatoxine 1 und 2 durchgeführt.
Bei Nachweis von Shigatoxin werden die Proben durch uns, zur Subtyp-Bestimmung, an das Konsiliarlaboratorium für Hämolytisch-Urämisches Syndrom (HUS) Institut für Hygiene am Universitätsklinikum Münster Robert-Koch-Str. 41, 48149 Münster gesendet. Ggf. erfolgt eine Weiterleitung an das Nationales Referenzzentrum für Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger Robert Koch-Institut (Bereich Wernigerode) Burgstraße 37, 38855 Wernigerode.
Es besteht eine Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz.
Meldepflicht
Nach § 6 IfSG ist der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod an enteropathischem hämolytisch-urämischem Syndrom (HUS) namentlich meldepflichtig. Weiterhin ist nach § 6 IfSG der Verdacht auf und die Erkrankung an einer mikrobiell bedingten Lebensmittelvergiftung oder an einer akuten infektiösen Gastroenteritis meldepflichtig, wenn eine Person betroffen ist, die eine Tätigkeit im Sinne des § 42 IfSG ausübt oder wenn zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen auftreten, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird.
Nach §7 besteht Meldepflicht für den direkten und indirekten Nachweis von Escherichia coli, enterohämorrhagische Stämme (EHEC).
Wichtig: Bitte geben Sie bei Kassenpatienten die Ausnahmeziffer 32006 auf der Anforderung an.
Weitere Informationen erhalten Sie auf den Webseiten des Robert-Koch Institutes (RKI): www.rki.de
Gute Tipps zur Vermeidung lebensmittelbedingter Erkrankungen erhalten Sie auf den Seiten des Bundesinstitutes für Risikobewertung: www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps_schutz_vor_lebensmittelinfektionen_im_privathaushalt.pdf
Ansprechpartner:
Dr. med. Uwe Lang
Dr. med. Jana Thiel
Dr. med. Matthias Aymanns
Tel.: 025160916-0